Trauerfall und Trauerrede in Zeiten des Coronavirus

Letztes Update: 24. März um 13.00 Uhr

Wie ist die Lage in Deutschland in Bezug auf Trauerfeiern angesichts des Coronavirus

Liebe Mitmenschen,

die Ihr gerade einen Trauerfall habt, ich möchte Euch zunächst meine herzliche Anteilnahme aussprechen. Ein Trauerfall ist in jedem Fall eine große Herausforderung für die Hinterbliebenen (emotional, organisatorisch, finanziell …) und dass nun das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 unseren Alltag beherrscht macht Euer Leben bestimmt nicht leichter.

Wir erleben gerade Zeiten, wie wir sie in Deutschland und der Welt zu meinen Lebzeiten noch nicht gehabt haben. Alles befindet sich im Ausnahmezustand: Arbeit, Schule, Läden … und so weiter.

Leider geht auch am Thema Trauerfeier der Ausnahmezustand nicht vorüber: Auch eine Trauerfeier ist letztlich eine Veranstaltung.

Manche Trauerhallen sind komplett geschlossen. Manche Trauerhallen haben nach anfänglicher Schließung jedoch wieder geöffnet. Es gibt Personenbeschränkungen und es müssen Abstände eingehalten werden.

Anderswo dürft Ihr eventuell noch mit einigen Personen am Grab Abschied nehmen.

Ich möchte Euch im Folgenden einige Hilfestellungen geben, damit Ihr überblicken könnt, welche Optionen Ihr jetzt habt.

Bedeutung einer Trauerfeier und warum sie sinnvoll ist – gerade in schweren Zeiten

Es ist natürlich Eure Entscheidung, ob Ihr unter diesen Umständen ganz auf eine Trauerfeier verzichten wollt. Auch ohne das Coronavirus ziehen manche eine Beisetzung in aller Stille vor, entweder weil es ihnen so lieber ist, oder weil sie nicht die finanziellen Mittel für eine Trauerfeier haben.

Ich persönlich finde eine Trauerfeier jedoch wichtig für den ganzen Trauerprozess.

In der Regel bekommt man vorher einen Trauerbesuch von der Person, die die Trauerrede halten wird (Pastor/in oder Trauerredner/in). Dieser Besuch hat nicht nur die Funktion, die Informationen für die Rede zusammen zu tragen, sondern dient auch der Trauerverarbeitung. Oft werden hier Dinge angesprochen und ausgesprochen, die zu Lebzeiten des Verstorbenen keinen Raum hatten.

Die Hinterbliebenen befinden sich in einer ganz neuen, oft auch als verunsichernd empfundenen Situation und empfinden es meist als hilfreich, sich mit jemand darüber austauschen zu können. Als Trauerrednerin kann ich helfen, Dinge einzuordnen und zu reflektieren. Manche sorgen sich wegen der Trauerfeier, auch da kann ich helfen und beruhigen. Selbst falls der Austausch im Vorhinein nur per Telefon oder sogar Email stattfinden kann (was gelegentlich vorkommt) gehe ich davon aus, dass dieser Austausch förderlich für die Trauerverarbeitung ist.

Darüber hinaus finde ich, dass der Würde des Menschen gedient ist, wenn man ganz bewusst in einem ritualisierten Rahmen Abschied nimmt, sei es in einer weltlichen Trauerfeier oder in einer kirchlichen.

Aus diesem Grund habe ich mir die folgenden Gedanken gemacht, was wir denn nun in Zeiten von Corona unternehmen können.

Möglichkeiten, wenn eine Trauerfeier in keiner Form stattfinden kann (nicht drinnen, nicht draußen, nicht mit geringerer Personenanzahl)

Im Falle einer Erdbeisetzung wird der Sarg in diesem Falle sicherlich beigesetzt werden, auch ohne Trauerfeier.

Ihr könnt dann überlegen, die Trauerfeier nachzuholen, entweder sobald es geht oder zu einem besonderen Datum, zum Beispiel in einem Jahr, zum Jahresgedenken.

Im Falle einer Urnenbeisetzung könntet Ihr die Urne beim Bestatter belassen, bis die Trauerfeier stattfinden kann. Natürlich gibt es auch bei einer Urnenbeisetzung die Möglichkeit, diese in aller Stille beizusetzen und die „richtige“ Trauerfeier zu einem besonderen Datum stattfinden zu lassen.

Auch Möglichkeiten der Video-Aufzeichnung oder Live-Übertragung kommen in Betracht, dazu unten mehr, außerdem die Erstellung eines Manuskriptes der Trauerrede, ohne dass diese (jetzt) gehalten werden kann.

candles at funeral speechBei Schließung der Feierhallen und Friedhöfe wäre eine kleine Trauerfeier im häuslichen Rahmen eine mögliche Alternative. Das mag vielleicht in der Großstadt nicht so leicht gehen, im ländlichen Raum ist das sicher leichter vorstellbar. Auch in diesem Fall könntet Ihr eine/n Trauerredner/in hinzuziehen um die Trauerrede vor Ort zu halten, live zu übertragen, per Video abzuspielen oder von einem vorab übersandten Manuskript selber vorzulesen. Jedoch sollte auch eine solche Feier nur in einem sehr kleinen Rahmen stattfinden und mit den Menschen, mit denen Ihr in den letzten Tagen ohnehin viel Kontakt hattet.

Falls Ihr den Sarg oder die Urne beisetzen lassen wollt und auch später keine Trauerfeier nachholen wollt, wäre es dennoch eine Überlegung wert, eine/n Trauerredner/in mit dem Verfassen einer Trauerrede zu beauftragen. Diese könnt Ihr dann als Manuskript oder Video erhalten. Ich rate dazu, auch weil das Trauergespräch bedeutsam ist und weil die Trauerrede einen wichtigen Beitrag zur Trauerverarbeitung leisten kann, siehe oben unter “Bedeutung einer Trauerfeier und warum sie sinnvoll ist – gerade in schweren Zeiten”.

Möglichkeiten, wenn eine Trauerfeier mit wenigen Personen stattfinden kann

In diesem Fall müsst Ihr entscheiden, ob Ihr einen Abschied im kleinen Kreis als ausreichend empfindet.

Falls ja, dann ist das schon mal gut für Euch. Es wäre überlegenswert, ob Ihr über Eure kleine Feier hinaus die Trauerrede in schriftlicher Form den weiteren Trauernden, die nicht zur Trauerfeier kommen durften, zukommen zu lassen möchtet. Allerdings werden nicht alle weltlichen und kirchlichen Trauerredner/innen diesen Service anbieten. Manche halten die Rede sogar ganz frei und haben also gar kein Manuskript vorliegen, das man weitergeben könnte. Doch viele Trauerredner/innen verfassen ein ausformuliertes Manuskript und auch Möglichkeiten der Video-Aufzeichnung oder Live-Übertragung kommen in Betracht, dazu unten mehr.

Falls Ihr die Möglichkeit einer Trauerfeier mit sehr wenigen Personen nicht ausreichend findet, dann schaut bitte oben unter dem Thema “Möglichkeiten, wenn eine Trauerfeier in keiner Form stattfinden kann …”

Möglichkeiten, wenn eine Trauerfeier nur im Freien stattfinden darf (ggf. mit Begrenzung der Personenzahl)

In diesem Fall solltet Ihr mit dem Bestattungsinstitut sprechen, ob eine Verstärkung möglich ist, also ob eine Mikrofonanlage für draußen vorhanden ist. Manche Trauerredner/innen haben auch selber solche Anlagen, da könnt Ihr natürlich nachfragen. Ich habe zum Beispiel eine kleine Anlage, die aber Strom benötigt.

Wenn sich keine technische Lösung für Verstärkung findet, dann muss es halt ohne gehen, aber aus Erfahrung würde ich sagen, dass es bei einer „richtigen“ Trauerrede (also nicht nur ein paar Worte) im Freien besser wäre, wenn ein Mikrofon vorhanden wäre. Je mehr Leute erwartet werden, desto wichtiger ist das – zumal die Menschen in Zeiten des Coronavirus nicht so dicht beieinander stehen und somit eine größere Fläche beschallt werden muss.

Womöglich wird man draußen auf die Einspielung von Musik verzichten. Friedhof Ohlsdorf in Hamburg

Meistens finden Reden im Freien im Stehen statt, also ohne Stühle, es kann aber notwendig sein, für Menschen, die nicht lange Stehen können, einen Stuhl oder Rollstuhl bereit zu stellen.

Wenn die Trauerfeier in einem Wald stattfindet (Friedwald, Ruheforst, etc.) dann gibt es dort in der Regel einen Andachtsplatz mit Sitzmöglichkeiten, wo die Trauerrede gehalten wird. Am tatsächlichen (Baum-)Grab werden dann meist nur noch ein paar Worte gesprochen.

Falls nun in vielen Gebieten während der Corona-Pandemie nur im Freien Trauerfeiern abgehalten werden dürfen, dann wäre es auch zu überlegen, auf einem „normalen“ Friedhof Stühle oder Bänke im Freien aufzustellen, zum Beispiel im gepflasterten Bereich direkt vor der Friedhofskapelle. Dass dieses mit genügend Abstand erfolgen sollte, versteht sich wohl von selbst.

Möglichkeiten der Video-Aufzeichnung oder Live-Übertragung

Es besteht die Möglichkeit, bei einer Trauerfeier im sehr kleinen Kreis die Trauerrede auf Video aufzuzeichnen. Dabei gibt es bestimmte Dinge zu beachten: Persönlichkeitsrechte, Datenschutz, ggf. auch GEMA-Gebühren (bei einer normalen Trauerfeier sind diese in der Regel über den Bestatter abgedeckt, aber eine Video-Aufzeichnung, die womöglich bei Youtube hochgeladen werden soll oder live im Internet übertragen werden soll ist nochmal etwas anderes).

Ich bin für diese Dinge keine Expertin, aber Ihr solltet Euch da wirklich schlau machen, zumindest wenn die Aufzeichnung über ein privates Handyvideo hinaus gehen soll.

Es gibt einen Beruf namens Videographer/in, diese Menschen befassen sich mit solchen Dingen … wenn es Euch finanziell und von der erlaubten Personenanzahl her möglich ist, so jemanden zu beauftragen, dann kann Euch das viel Arbeit und Recherche abnehmen. Manche Bestattungsinstitute arbeiten auch mit solchen Videographer/innen zusammen.

Eine Live-Übertragung hat noch viel mehr Herausforderungen. Es gibt Firmen, die speziell solche Services anbieten, zum Beispiel 3Sixty:TV. Aber auch kleinere Firmen vor Ort mit gewissem technischen KnowHow könnten so einen Live-Stream umsetzen – vielleicht sogar das Bestattungsinstitut, falls es sich schon vor dem Auftreten des neuartigen Coronavirus damit beschäftigt habt.

Für eine Live-Übertragung braucht es ganz schön viel Bandbreite, sowohl am Ort der Übertragung als auch am Ort, wo der Stream geschaut werden soll. Überhaupt ist so eine Übertragung technisch gesehen nicht ganz ohne … von daher wäre wirklich zu überlegen, jemanden zu beauftragen, der oder die sich damit auskennt. Es sei denn, Ihr plant nur – ganz privat – per Video-Telefonie zu übertragen, zum Beispiel mit einem Facetime-Anruf, Whatsapp, Skype etc.

Die bisher genannten Möglichkeiten wurden auch schon durchgeführt, bevor wir das neuartige Coronavirus hatten und einige Bestattungsinstitute haben schon Erfahrung damit, ebenso wie manche Trauerredner/innen.

Wegen der Ausnahme-Situation, die wir im Moment haben, wäre es auch zu überlegen, dass der/die Trauerredner/in ein Video anfertigt und den Hinterbliebenen zum privaten Gebrauch überlässt.

Also, dass man zunächst ein Trauergespräch führt (persönlich oder virtuell) und dann die Rede schreibt und diese dann vorträgt und per Video aufzeichnet. Dann könnte sie auf DVD gebrannt werden oder mittels eines Filesharing-Portals den Hinterbliebenen zum Download zur Verfügung gestellt werden. Ich habe das zwar noch nie gemacht, aber ich könnte mir das ganz gut vorstellen, das könnte ich sicher hier zuhause umsetzen. Wenn man die Musik in dem Video ausließe, dann gäbe es in diesem Fall eigentlich keine größeren rechtlichen Fragen, also wäre es gar nicht so schwer umzusetzen.

Weitere Möglichkeiten

Falls Euch noch mehr Sachen einfallen, wie wir mit dieser momentanen, herausfordernden Situation umgehen können, dann schreibt mir gerne eine Nachricht oder hinterlasst einen Kommentar. Auch über einen Gruß in den Kommentaren freue ich mich.

In jedem Fall wünsche ich Euch viel Kraft in dieser ohnehin sehr schweren Zeit!

Pax et Bonum
Jutta

Sonnenaufgang auf dem Friedhof

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